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Hamburg-Reise von pro barrierefrei Bad Driburg sorgte für Teilhabe

Hamburg. Die Hamburg-Reise von pro barrierefrei Bad Driburg lies die größtenteils mobilitätseingeschränkten Teilnehmer an schönen Urlaubserlebnissen teilhaben. Der erste Teil der Anreise erfolgte mit einem Altenbekener Taxiunternehmen und mit Fahrgemeinschaften, da die NWB noch immer keine E-Mobile mitnimmt, aber viele Mitreisende auf diese angewiesen waren. Die Weiterfahrt in den weitestgehend barrierefreien Zügen erfolgte dann dank guter Organisation unter Zuhilfenahme des Online-Formulares HaSe und hilfsbereiter Mitarbeiter weitestgehend problemlos. 


Der Spalt zwischen dem Zug und dem Bahnhof Altenbeken war jedoch überraschend groß. Beim Umstieg in Hannover musste ein Teilnehmer jedoch angerufen werden, da er auf ein falsches Gleis geschickt wurde. Der Metronom war zwar älter, er erwies sich beim Ein- und Ausstieg jedoch als vorbildlich barrierefrei. Vorbei am Hundertwasserbahnhof Ülzen ging es dann zum Hamburger Hauptbahnhof, der sich größer zeigte als erwartet, dafür aber die erwartete Vollheit aufwies, was zu Staus am Aufzug führte. Zu Fuß ging es dann zum Hotel, was durch eine Baustelle jedoch erschwert wurde. Im Hotel wurde dann das Durcheinander beim Einchecken samt Ausfüllen der Adresszettel und der Zimmerverteilung gemeistert. Danach wurden die gemieteten E-Mobile in Empfang genommen und die Koffer ausgepackt. Außerdem stießen zwei Teilnehmer hinzu, die per Auto angereist waren. Das Hotel ist dabei hypermodern, was jedoch einige Probleme bereitete. Für Wochenendtouristen waren die Zimmer ausreichend eingerichtet und die Barrierefreiheit lies keinen Anlass zur Kritik.


Auch die Tickets für die Elbphilharmonie und das Miniatur Wunderland wurden vorbestellt, ebenso wie die nach Bedarf barrierefreien Zimmer. Missverständliche Beschreibungen machten jedoch eine Umbuchung notwendig, was jedoch kostenfrei möglich war.


Durch die historische und schöne Speicherstadt ging es dann zur Elbphilharmonie. Dabei machen hohe Bordsteine das Nutzen der Straße oft notwendig. Dafür war die Elbphilharmonie komplett barrierefrei. Neben der berühmten Rolltreppe gab es auch Aufzüge, die hinauf zur Plaza führten. Die Aussicht von dort auf die Stadt war wunderschön. Das Kinokonzert links liegen lassend ging es anschließend Richtung Elbe zum Wassertaxi. Die Rampe ins Wassertaxi war jedoch so steil, das Alexander Bieseke absteigen musste. Das Verlassen des Wassertaxis war dabei jedoch problemlos. 

Da die empfohlene Landungsbrücke zehn zu weit weg war, nahmen wir die vierte, die sich jedoch als zu steil erwies. Weiter ging es zum Brauhaus an den Landungsbrücken, das durch einen super Service glänzte. Damit wir dort Platz nehmen konnten, wurden die Wege extra freigeräumt. Außerdem wurde uns die Tür aufgehalten.Nun machten wir uns auf den Weg zum Michel. Da Petras Akku vom Rollstuhl jedoch schwach war, wurde die Besichtigung des Michels auf Samstag verschoben. Vorbei am Rathaus ging es dann zur Innenalster, wo sich die Gruppe aufteilte. Zwischenzeitlich musste Petra in Dieters E-Mobil umsteigen, das die Akkuleistung ihres Rollstuhls komplett aufgebraucht war. Wer noch gut zu Fuß war bzw. einen ausreichend vollen Akku hatte, ging / fuhr direkt zum Hotel. Die anderen nahmen die U-Bahn.


Der Samstag begann mit einer Verwirrung beim Angebot des Frühstücks. Auch die Platzierungen als Gruppe liefen nicht ganz optimal. Dafür war die Fahrt mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof Nord bis zum Jungfernstieg barrierefrei. Dort konnten wir gleich die Binnenalster mit den Schwänen betrachten. Über die Großen Bleichen und den Großneumarkt ging es nun zum Michel. Am barrierefreien Eingang war wegen der Schlange zum Turm kaum ein Durchkommen. Außerdem mussten die Tickets am Haupteingang gekauft werden. Da eine Hochzeitsgesellschaft anwesend war, mussten wir warten, wurden aber dann doch hineingelassen. Das Innere der Kirche war wundervoll und hatte großen Bezug zur Schifffahrt. Danach konnten wir den dortigen Toiletten eine vorbildliche Barrierefreiheit attestieren. Nur die Beschilderung zu diesen Toiletten fehlte. Über den tags zuvor auskundschafteten Weg ging es dann direkt zur Elbpromenade, wo wir im Alex zu angemessenen Preisen Mittag aßen. Danach suchten wir die Landungsbrücken auf, um eine Hafenrundfahrt zu machen. Diesmal hatten wir ausreichend Zeit, um die Landungsbrücke 10 aufzusuchen und deren Barrierefreiheit zu erfahren. Auch die Hafenrundfahrt war barrierefrei und sehr informativ. Wir erfuhren einiges über die Elbe, die Gebäude beiderseits der Elbe und den Containerhafen. Die Rückfahrt mit der U-Bahn war aber nicht barrierefrei, da einige Haltestellen noch umgebaut wurden. So kamen wir auch später als vereinbart am Körri an, wo wir abends essen wollten. Das Essen war jedoch anders, als es online präsentiert wurde, zudem auch ungewohnt. Dafür befand sich das Lokal in einem Weltkulturerbe, was die hohen Preise erklärte. Der späte Abend war dann der Hafencity gewidmet. Vorbei am Hafenmuseum, zeigte diese eine schöne Kombination aus historischen und dazu passenden neuen Gebäuden. Im Hotel angekommen, folgten wir noch einer Einladung zur Voreröffnung ins „Goldene Ei“, einem indischen Restaurant.


Am Sonntag war die Fahrt mit der U-Bahn nicht ganz so problemlos.Wir erwischten die falsche U-Bahn-Linie und stellten fest, dass wir nicht überall umsteigen konnten. Aber wir erfuhren dafür, dass der barrierefreie Einstieg in die U-Bahn durch ein Schachbrettmuster auf der Boden und an der Wagentür zu erkennen ist. Außerdem lernten wir den Behindertenbeauftragten für die Mitarbeiter der Stadt Stuttgart kennen. Nun sollte die Rundfahrt in der Speicherstadt folgen. Die Barkassen waren jedoch jenseits der Elbe und deren Zugang nicht barrierefrei. Daraufhin machte der Kapitän des Schiffs „klein Fritzchen“ von Abicht uns das Angebot uns zum attraktiven Preis auf die große Hafenrundfahrt incl. Speicherstadt mitzunehmen. Dieses Angebot nahmen wir dankend an. In der Speicherstadt musste das Schiff jedoch wieder umdrehen, da der steigende Wasserpegel eine Rückfahrt aus der Speicherstadt verhindert hätte. Dafür sahen wir dann mehr vom Containerhafen, in dem wir dieses Mal die große Runde drehten. Jedoch wäre dann die kleine Hafenrundfahrt vom Vortag nicht nötig gewesen. Mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof und dann über die Mönckebergstraße, der Haupteinkaufsstraße in Hamburg, ging es dann zum Rathausmarkt, wo gerade eine Demo zum aktuellen Thema rassistischer Gewalt stattfand. Das dann folgende Eis an den Alsterarkaden, oder die anderen Leckereien, schmeckte allen gut. Abends ging es dann zu Andronako, wo uns große Pizzen zu entsprechenden Preisen erwarteten. Außerdem gab es für das Essen anfangs keine Bedienung und die Getränke gab es ebenfalls nur in Selbstbedienung. Durch historische Wage und Gassen ging es dann zum Miniatur Wunderland. Der Treppenlift, der uns dort erwartete, war zwar groß genug (das war angefragt worden), aber er musste von der Treppe kommend befahren werden. Dort war der Platz jedoch recht eng. Mit vereinten Kräften und hilfsbereiten Mitarbeitern konnten wir diese Hürde jedoch meistern. Das Zertifikat für die Barrierefreiheit warf jedoch fragen auf. Per Aufzug ging es dann zur Kasse. Die Beschilderung ließ jedoch neben dem guten Rundgang eine barrierefreie Alternative vermissen. Die Details, mit der Modellbahn gestaltet war, war dafür aber erstaunlich, so dass sicherlich vieles dort übersehen wurde. Auch die Größe der Anlage und die Vielfalt der Orte war beeindruckend.


Am Montag wurden die Koffer gepackt und unten im Hotel deponiert. Dieses klappte problemlos, denn jeder bekam eine Karte zur Identifikation seines Koffers. Doch dann gab es bei einigen Probleme bei der Fahrt mit der U-Bahn, denn direkt beim "barrierefreien" Einstieg befand sich eine Stange mitten im Gang des Wagens, deren Handlauf zusätzlich den Platz für die E-Mobile verknappte. Was für Fahrgäste mit Stock sinnvoll ist, erweist sich in diesem Fall als Hürde. In der dann folgenden Europagalerie machten die zwei Erdgeschosse darauf aufmerksam, dass das Umfeld nicht so eben ist, wie es schien. Dem gängigen Angebot mit den Restaurants im obersten Geschoss standen sonst noch die Wartezeiten an den Aufzügen entgegen. Von da aus gingen wir zum Rathaus, von welchem wir innen wegen der Pandemie nur das Foyer sehen konnten. Dort wurden dann Fotos gemacht. Die sinnvolle Einbahnstraßenregelung über den Innenhof konnten wir wegen Barrieren dann leider nicht einhalten. Von außen ging es nun zum Innenhof, wo erneut fotografiert wurde und weiter durch das hochpreisige Passagenviertel an der Alster. Zuweilen mussten wir jedoch wieder zurück, da Stufen die Weiterfahrt für die E-Mobile verhindern. Nun ging es zum Essen wieder in die Europagalerie. Bestellt bei diversen Imbissen, ließen wir uns mangels Platz auf einer Bank ohne Tisch nieder. Eine aufmerksame Wachfrau wies uns dann darauf hinn, dass dort das Sitzen wegen der Pandemie untersagt sei; führte uns aber nach Schilderung des Platzmangels zu noch freien Plätzen am Tisch. Per Handynavigation ging es zurück zum Hotel, wo wir die Koffer abgeholt haben. Außerdem gaben wir die geliehenen E-Mobile zurück. Dabei erfuhren wir auch, dass bei diesen Fahrzeugen die Reifen vom Elektroantrieb zu lösen seien, falls z. B. der Akku mal leergefahren worden sein sollte. Damit konnte einer Teilnehmerin auch die Sorge genommen werden, in diesem Fall nicht zurück ins Hotel zu kommen. Gemeinsam trafen wir uns am Hauptbahnhof. Dort wurden wir dann von einem freundlichen Service-Mitarbeiter empfangen, der uns hinunter zum Bahnsteig begleitete. Doch dann fuhr der Zug auf einem anderen Gleis ein - zum Glück jenes auf der anderen Seite des selben Bahnsteiges. Dafür war der Wagen mit dem Rollstuhlabteil ganz am Ende des Zuges / Bahnsteiges, wo selbiger schon erheblich schmaler wird. Außerdem versperrte Baumüll den Bahnsteig an diesem Engpass, sodass der Einstieg sehr erschwert wurde. Mit vereinten Kräften gelang es uns aber. Aufgrund einiger Zugüberholungen kamen wir dann verspätet in Hannover an, wurden dort aber schon von einem zuvorkommenden Mitarbeiter erwartet. Dieser lotste uns über die Rampe für Elektrotransporter zum Abfahrgleis, wobei unten noch Zeit für ein kleines Gespräch blieb. Beim Einstieg fehlte dann jedoch die ausfahrende Rampe. Daher kam eine transportable Rampe zum Einsatz, die zwischen Zug und Bahnsteig gelegt wurde. Da sich das Abteil für die Rollstühle jedoch im Bereich der Treppe befand, der, wie anfangs erwähnt, eh schon recht eng ist, war es trotz Rangierens nicht möglich, in dieses Abteil zu kommen, so dass auf ein anderes Abteil ausgewichen werden musste. Die Mobile fanden im Eingangsbereich Platz und wir saßen, soweit möglich, im Großraumabteil. Der Ausstieg in Altenbeken klappte jedoch problemlos. Dafür mussten wir rangieren, als wir rückwärts den Aufzug Richtung Ausgang verließen. Wie auf dem Hinweg fuhren wir dann mit dem Taxi oder als Fahrgemeinschaft problemlos nach Bad Driburg, da die Nordwestbahn keine E-Mobile mitnimmt.


Alles in Allem war diese Reise eine Bereicherung für alle. Während die Einen die Probleme von Rollstuhlfahrern kennenlernten, konnten die Anderen dank der geliehenen E-Mobile mehr erleben als es ohne diese Fahrzeuge möglich gewesen wäre. Zusätzlich konnten Erfahrungen mit den E-Mobilen gesammelt werden. Petra Zitzmann bedankte sich nachher auch zutreffend: "Ich bedanke mich auch erst einmal für eure Hilfe, ganz besonders dass ihr mir durch das E-Mobil die Möglichkeit gegeben habt, alles mitzumachen. Das wäre mit meinem Rollstuhl nicht möglich gewesen." Ein solches Kompliment lässt eine Fortsetzung dieses Einsatzes von Alexander Bieseke von pro barrierefrei Bad Driburg für unsere Selbsthilfegruppe erwünschen.


Text: Andreas Gerold

Video: Alexander Bieseke 

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