Expertengespräch zur Barrierefreiheit

Inge Ernst, Alexander Bieseke, Paul Kensbock, Christa Koehler, Julia Kraus (v.l.n.r) Vorne: Thomas Cilessen
Inge Ernst, Alexander Bieseke, Paul Kensbock, Christa Koehler, Julia Kraus (v.l.n.r) Vorne: Thomas Cilessen

pro barrierefrei favorisiert den Shared Space-Ansatz für Wohngebiete


Bad Driburg. Das Verkehrs- und Wegeleitkonzept Südoststadt Bad Driburg war Thema eines Expertengespräches zum Thema Barrierefreiheit. Eingeladen hatte die Planersocietät Dr.-Ing. Frehn, Steinberg & Partner aus Dortmund vertreten durch Julia Kraus, Geographin und Raumplanerin. Teilgenommen haben neben den Vertretern der Selbsthilfegruppe pro barrierefrei Inge Ernst und Alexander Bieseke, Thomas Cilessen, Behindertenbeauftragte der Stadt, Paul Kensbock, Wohnstättenleiter der Lebenshilfe Bad Driburg, Christa Koehler, Leiterin des Philipp-Melanchthon-Zentrum.


Die Teilnehmenden berichten, dass der Umbau der Langen Straße, des Rathausplatzes und der Innenstadt gut gelungen sei. Viele Barrieren konnten hier entfernt werden, sodass auch Ausflüge mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtungen leichter und öfters möglich sind.


An der Langen Straße wird angemerkt, dass sich nicht alle Kfz-Fahrenden an die Geschwindigkeit von 30km/h halten. Eventuell würde das Schild am Bahnübergang von Vielen übersehen, da es von Grünelementen teilweise verdeckt würde. Die installierten Fußgängerüberwege (auch Zebrastreifen) werden gut angenommen. Zu Fuß Gehende fühlen sich beim Queren zumeist sicher.


Auch die Neugestaltung des Schulhofes der Gesamtschule wurde positiv erwähnt.


Orte mit Potential in Bad Driburg


Stadtübergreifend wurden nicht abgesenkte Bordsteine an Querungsstellen, zu schmale Gehwege und starke Querneigungen kritisiert. Ebenso sorgen in Querungsbereichen abgestellte Fahrzeuge und Falschparker auf dem Gehweg dafür, dass Personengruppen mit erhöhtem Platzbedarf (z.B. mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen) Umwege in Kauf nehmen müssen.


Illegal abgestellte Fahrzeuge an Bushaltestellen sorgen dafür, dass der Bus nicht an der Haltestelle halten kann und ein barrierefreier Ein- oder Ausstieg nicht möglich ist.


Temporär blockieren auch Mülltonnen die Gehwege, sodass ein Durchkommen an diesen Tagen sehr erschwert ist. Ein Teilnehmender schlägt vor, die Stelle eines „Straßenwarts“ einzuführen, der in Absprache mit den Anwohnern die Mülltonnen nach der Leerung auf das Grundstück zurückbringt, sodass die Gehwege möglichst schnell wieder frei sind, auch wenn die Anwohner in der Arbeit sind.


Im Gebiet der Südoststadt wird der Lindenweg auf Höhe der alten Post als Strecke mit starker Querneigung identifiziert. Der Kreuzungsbereich Auf der Mühlenstätte/Mühlenstraße ist unübersichtlich und schwer zu passieren. Der Fußweg, der an die Hubertusstraße anschließt und in der Auf der Mühlenstätte mündet, besitzt eine schlechte Oberfläche und ist daher für mobilitätseingeschränkte Personen kaum nutzbar.


Bestandsanalyse

Entlang des Sulburgrings fehlen noch Gehwege, da die Straße im Moment noch als Baustellenstraße benutzt wird. Viele Gehwege weisen Risse, Flecken oder schlecht geflickte Elemente in der Teerdecke auf schränkten Personen das Zufußgehen.


Die Teilnehmenden sind sich einig, dass der Stadtpark attraktiver gestaltet werden sollte. Schmale

Wege ohne feste Oberfläche erschweren das Spazieren im Stadtpark. Sowohl im Stadtpark als

auch im gesamten Gebiet werden mehr bzw. barrierefreie (mindestens mit Armlehne!) Sitzgelegenheiten gewünscht. Diese sollten auch im Winter zur Verfügung stehen.


Für den Kurpark ist zudem eine Beschilderung gewünscht. In ganz Bad Driburg werden weitere, vor allem barrierefreie

Toiletten gefordert. Diese sind zu beschildern, sodass auch Touristen die Toiletten auffinden können.


Es wird berichtet, dass die Bürgerbusse aufgrund ihrer geringeren Größe nicht an den Haltestellen

halten können, da sie sonst die Türen nicht aufbekämen. Die Bürgerbusse besitzen zwar eine

Rampe um einen barrierefreien Ein- und Ausstieg zu ermöglichen, allerdings sind nicht alle ehren-

amtlichen Fahrer körperlich in der Lage diese zu bedienen und den Fahrgästen beim Ein- oder

Ausstieg behilflich zu sein. Die zwei Gründe sorgen dafür, dass der Bürgerbus oft nicht barrierefrei nutzbar ist.


Wichtige Ziele


Als wichtige Ziele wurden die Innenstadt und der Bahnhof genannt. Hier seien besonders die Dringenberger Straße und der Tegelweg als Verbindung zur Innenstadt barrierefrei zu gespalten. Der

Dr.-Riefenstahl-Weg als direkte Verbindung zum Bahnhof sei auszubauen und zu beschildern.


Weitere Themen


Neben den auf die Südoststadt zugeschnittenen Themen wurden auch weitere Themen bespro-

chen. Es wurde berichtet, dass Bad Driburg als Gesundheits- und barrierefreien Standort bekannt sei und daher Personen aus dem ganzen Bundesgebiet nach Bad Driburg zögen. Aus diesem Grund

solle sowohl der Öffentliche Raum, als auch Öffentliche Einrichtungen und Wohngebäude barrierefrei gestaltet sein.


Es wurde gewünscht, dass der Katzohlbach auch für mobilitätseingeschränkte Personen erlebbar gemacht würde. So sollen Möglichkeiten geschaffen werden, auch mit Rollstuhl oder Rollator ans

Wasser zu kommen.



Die Teilnehmenden könnten sich außerdem vorstellen. dass Wohnstraßen nach dem „Shared

Space-Ansatz“ gestaltet würden.


Es wird ebenfalls berichtet, dass die Nordwestbahn den Transport von Rollstuhl Scootern katego-

risch ablehne und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste mit dem teuren Fahrdienst nach Altenbeken gebracht werden müssten, um dort in Zügen anderer Anbieter zu für die Weiterfahrt im ÖPNV zu nutzen.

Brennpunkte im ISEK Gebiet
Brennpunkte im ISEK Gebiet

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